Kokosöl gegen Zecken? Was hilft wirklich? Teil II

Jedes Jahr wieder die gleiche Frage: Chemie oder Natur? Darum entstehen wahre Glaubenskriege, denn die einen setzen Chemie gleich Gift. Und die anderen halten Alternativpräparate für wirkungslos und Geldschneiderei. Also, was ist dran und drin? 



"Kokosöl gilt seit Jahrzehnten als natürliches Mittel gegen Zecken, und das sowohl bei Menschen als auch bei Haustieren. In zahlreichen Studien konnte bewiesen werden, dass Kokosöl mit seinen Inhaltsstoffen und seinem Geruch Zecken wirkungsvoll daran hindert, sich in der Haut des Wirtes zu verbeißen."

Starke Worte und so nachzulesen bei kokosoel.info, einer Website die für sich Unabhängigkeit reklamiert, aber Werbung für Kokosöl betreibt. 


Ach wirklich? Das Ärzteblatt attestiert - im Hinblick auf Menschen -  eine Wirkung gegen Zecken bei der "Caprylsäure (in Kokosöl) und der Laurinsäure, die zudem gute dermatologische Eigenschaften aufweisen."

Spannend nachzulesen ist, was Blogger Alex herausgefunden und per Video auch gleich demonstriert hat - die Wirkung von Kokosöl auf Zecken scheint danach eher gering bis gar nicht vorhanden zu sein. Zudem unterstellt er den Verfassern einer Studie "pro Kokosöl" eigene wirtschaftliche Interessen. 

Stiftung Warentest hat - allerdings schon 2003 und beim Hund - dem Kokosöl nur geringe Wirksamkeit bestätigt....





Da steht dann also Behauptung gegen Behauptung. Unser Test an drei Katzen hat jedenfalls ergeben, dass das Kokosöl bei Kater Gimli, dem Langhaarigsten der drei, so gut wie gar keine Wirkung erzielt. Das mag dran liegen, dass ich ihn nur alle drei Tage mit Kokosöl eingerieben oder nicht genug davon verwendet habe. Oder dass er mehr als alle anderen durchs Unterholz streift? Schwer zu sagen, jedenfalls ist er nach wie vor voller Zecken.


Immer wieder nachzulesen ist, dass Schwarzkümmelöl besser als Kokosöl Katzen vor Zecken schützen soll. Für Furore hat ein Jungforscher gesorgt, der im Rahmen von "Jugend forscht" die Wirkung von Schwarzkümmelöl an seinem Labrador getestet hat und zu guten Ergebnissen kam.

Aber auch hier gibt es Stimmen, die dringend vor der Verabreichung im Futter an Katzen warnen - weil es, wie bei vielen ätherischen Ölen, schwere Nebenwirkungen haben kann. Und die Warentester stellen ohnehin gleich ein schlechtes Zeugnis aus, allerdings bezogen auf Menschen:

Die Tests zeigen: Mittel, die ausschließ­lich eine Mischung aus ätherischen Ölen enthalten, riechen zwar besser als die chemischen Produkte, aber sie schnitten bei den Tests am schlechtesten ab und gelten als "nicht empfehlens­wert".

Hundepräparate gegen Zecken für Katzen gefährlich

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt vor dem Wirkstoff Permethrin - der etwa in Expot, einem Mittel für Hunde verwendet wird. Katzen fehlt ein spezifisches Enzym, um den Wirkstoff Permethrin im Körper umwandeln zu können. Erhält das Tier dennoch ein permethrinhaltiges Arzneimittel, können schwere Vergiftungserscheinungen wie Störungen des zentralen Nervensystems die Folge sein, die auch zum Tode führen können.

Symptome einer Vergiftung können sein:


  • Krämpfe
  • Lähmungserscheinungen
  • erhöhter Speichelfluss
  • Erbrechen
  • Durchfall

  • Atembeschwerden

Treten die oben genannten Symptome nach einem unbeabsichtigten Kontakt der Katze mit Permethrin auf oder kam es zu einer versehentlichen Fehlanwendung eines permethrinhaltigen Arzneimittels, sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.

Chemie gegen Zecken bei Katzen?

Also dann doch wieder Spot ons für Katzen? Das, was ich eigentlich ja nicht mehr wollte?  Wie schon im Teil I beschrieben, gibt es ja immer wieder Warnungen in den Sozialen Netzwerken vor angeblicher oder tatsächlicher Gefahr, etwa im Zusammenhang mit Bravecto, das aber kein Permethrin enthält.
So, dann ist jetzt also die Verwirrung komplett. Das eine ist womöglich giftig, das andere hilft nicht? Was also tun? Einfach nur die Zecken absammeln oder raus ziehen? 

Wenn, dann muss man wenigstens schnell sein, denn in den ersten zwölf Stunden kommt es seltener etwa zu einer Übertagung von Borrelien. Je schneller die Zecke entfernt wird, desto geringer das Risiko einer Erkrankung.

Fazit: Ob man nun zu Spot ons oder Natur greift, ist eine Einzelfallentscheidung und hängt sicher auch von den Lebensumständen der Katze ab. "Mal" eine Zecke ist vermutlich nicht so schlimm, wenn man die Tiere jeden Tag absucht und ungebetene Bewohner schleunigst entfernt. Ein großer und ständiger Befall aber erfordert Handlung - und im Zweifel dann auch ein Spot on, wenn es hilft.      

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