Die Katze erbricht ständig - ist das ein Verhaltensproblem ?



Eigentlich - ist das kein klassischer Beitrag in einem Blog, der sich in erster Linie mit Verhalten beschäftigt - und wieder doch. Denn dieses Verhalten kennen viele Katzenhalter: Ihre Samtpfote erbricht. Man sollte ja meinen, dass völlig klar ist, dass es sich hier um einen rein organischen Vorgang handelt. Aber so ist es nicht. 

Den Ausschlag für diesen Beitrag haben zwei Kundenkatzen gegeben, die beide immer wieder mal erbrechen - gerne immer auf den edlen Teppich, gerne morgens früh. Manchmal ist es ein farbloser Schleim, manchmal ist es Futterbrei, der im hohen Bogen ausgespuckt wird. Wie auch immer: der Vorgang ist quälend für die Katze und unangenehm für den Besitzer. Nachdem aber bei beiden zunächst keine Ursache festgestellt werden konnte, kam schnell der Verdacht einer Verhaltensauffälligkeit auf. 

Erbrechen ist immer ein Symptom

Dass es Protestpinkeln nicht gibt, sollte inzwischen jeder wissen. Noch weniger gibt es Erbrechen aus Protest. Dennoch habe ich schon öfter zu hören bekommen, dass Tierhalter genau das glauben. Kann denn wirklich jemand annehmen, die Katze würde sich, um ihrem Menschen eins auszuwischen, morgens früh neben sein Bett setzen um  - pardon - "zu kotzen?" Katzen sind keine Menschen und können diesen Vorgang nicht manipulieren oder bewusst herbeiführen. Und wer beobachtet, wie anstrengend und quälend Erbrechen ist, wird das auch niemals annehmen können. So ist der Gedanke vermutlich eher der Verzweiflung geschuldet, wenn sich so schnell keine Ursache für das Würgen finden lässt. 

Was ist Erbrechen, was ist Husten?

Gar nicht immer leicht zu unterscheiden ist es, ob eine Katze würgt, hustet oder erbricht, denn nicht immer wird Futter oder Schleim ausgespuckt. Und die Körperhaltung ist immer ähnlich - geduckt, hockend, verkrampft. Beim Husten aber wird der Hals lang vor gereckt, um besser Luft zu bekommen. Beim Erbrechen pumpt der ganze Körper und nicht selten springt die Katze zum Abschluss von da, wo sie gerade noch gesessen hat, ruckartig auf.


Wussten Sie schon, was Regurgitieren ist?

Ein seltsames Wort: "Regurgitieren". Im Zusammenhang mit Erbrechen bei den Katzen ist es aber bedeutsam, denn oft schildern Zweibeiner, dass ihre Katzen das Futter wieder aus würgen, kaum, dass sie es gefressen haben. Die Nahrung ist also noch nicht verdaut und kommt fast unverändert wieder zurück. Genau das ist Regurgitieren. Die Ursache liegt meist in einem zu schnellen Schlingen und Schlucken. Und das hat seinen Grund.
Ich komme sehr oft in Haushalte, in denen die Katzenhalter mir stolz erzählen, dass ihre Katzen eine Idealfigur hätten, weil sie nur morgens und abends zu fressen bekämen.  Arme Katzen!  

Solche Tiere tun mir leid, denn sie sind im Grunde ständig hungrig, ständig schlecht gelaunt, ständig unter Strom und nicht selten auch aggressiv zu ihren Mitkatzen. Es entspricht schlicht der Natur des Beutegreifers Katze, nur zweimal täglich - mit großem Abstand - zu fressen. Eine Katze, die ja nur kleine Beutetiere fängt und frisst, geht zehnmal am Tag auf die Jagd und macht vielleicht viermal Beute.

Gute Fütterung bedeutet Lebensqualität 

Damit ist nicht nur ein hochwertiges Futter gemeint, sondern auch ein Fütterungsmanagement. Auch wer berufstätig ist, kann seine Katze mehrfach täglich füttern. Dazu gibt es eine Riesenauswahl an Futterautomaten, die sich per Zeitschaltuhr einstellen lassen. Es gib auch Futterspender für den Mehrkatzenhaushalt, die auf den Chip des jeweiligen Tieres reagieren und sich nur dafür öffnen. Möglichkeiten gibt es also viele. Alles ist besser als entweder nur zweimal täglich zu füttern oder aber - im anderen Extremfall - immer Berge von Trockenfutter in den Näpfen stehenzulassen.    

Paul Leyhausen wird der Satz zugeschrieben, dass wer seiner Katze immer Futter stehen lässt, ihr ein großes Stück Lebensfreude nimmt. 

Auch das ist wahr. Die Futtersuche nimmt einen großen Teil des Katzenalltags in Anspruch und mit ihr die Jagd. Das haben wir unseren Wohnungskatzen genommen und wir sollten versuchen, mit Beschäftigung und Futterbelohnung dem etwas entgegenzusetzen - aber das ist ein anderes Thema.

Wichtig ist, die Fütterung, die Häufigkeit und die Menge dem Alter, den Gewohnheiten, der Gesundheit und den Bedürfnissen des Tieres anzupassen. Und dazu gehört auf jeden Fall, mehrere kleine Mahlzeiten täglich anzubieten. Das zumindest beugt dem Schlingen und Auswürgen vor. 

Welche Ursachen kann das Erbrechen bei der Katze haben? 

  • Fremdkörper verschluckt 
  • Haarballen im Magen
  • Entzündungsprozesse, Gastritits
  • Niereninsuffizienz
  • Pankreatitis
Alles, was im Magen drückt und da nicht hingehört, versucht der Körper durch Herauswürgen wieder loszuwerden. Das können versehentlich verschluckte Fremdkörper sein, aber auch Bezoare, Klumpen aus Haaren. Die werden auch mit dem Kot ausgeschieden, wobei etwas Öl oder Butter in der Nahrung ganz gute Dienste leisten können.
Katzen, jedenfalls manche Katzen, verschlucken einfach alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Bändel, Schnüre, Spielzeug und vieles mehr. Gut, wenn er auf natürlichem Weg wieder herauskommen.

Schwieriger wird es bei organischen Problemen: Ja, auch Katzen können an Gastritis, einer Magenschleimhautentzündung, erkranken. Dann erbrechen sie häufig farblosen Schleim, der manchmal auch etwas rötlich bis blutig aussehen kann.  

Hervorgerufen wird eine Magenschleimhautentzündung häufig durch einen bakteriellen Befall und diagnostiziert wird sie durch einen Ultraschall und eine Magenspiegelung, bei der auch Proben entnommen werden können. Säureblocker, um die Symptome zu lindern und Antibiotika werden zur Therapie eingesetzt.
        

Erbrechen bei Niereninsuffizienz

Ein typisches Symptom einer chronischen Niereninsuffizienz ist das viele Trinken - aber auch die Übelkeit. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Tiere immer appetitloser und fressen schlechter. Dafür erbrechen die Tiere immer häufiger. Hier zielt die Therapie auf die Grunderkrankung ab und die Gastritis wird begleitend behandelt.   

Schwer zu diagnostizieren: Pankreatitis 

Leider ist die akute oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung bei Katzen nicht ganz einfach festzustellen und zu behandeln. Es gibt eine Vielzahl von Symptomen, zu denen eben aber auch das Erbrechen gehören kann. Wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen worden sind, ist unbedingt auch eine Pankreatitis zu denken. 

Wichtig ist vor allem, Erbrechen nicht leicht zu nehmen. Es ist häufig Symptom einer Erkrankung, die therapiert werden muss und kann. Keinesfalls ist es ein Symptom einer Verhaltensstörung - aber es kann  Verhalten verändern, zumal wenn es mit Schmerzen einhergeht. Eine Abklärung bei Ihrem Tierarzt ist auf jeden Fall dringend nötig.  

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