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4.6.18

FIV: Kein Todesurteil, aber viele Vorurteile

Dieser Text stammt von der Kollegin Anika Bruckert. Er gehört zu dem Besten, was ich über FIV gelesen habe. 


FIV - drei große Buchstaben, viel Unwissenheit. Und sie zählt zu einer der drei am häufigsten vorkommenden und gefürchtetsten Viruserkrankungen der Katze, neben FeLV (feline Leukämievirus), und FIP (feline infektiöse Peritonitis = infektiöse Bauchfellentzündung).
Dieser Blog handelt von dem so genannten „Katzen-Aids“, oder besser genannt, das Feline Immundefizienz-Virus.
Nicht nur wir Menschen können an Aids erkranken, sondern auch noch einige andere Tierarten, wie Affen und Katzen. Es gibt auch viele arttypische Krankheiten die umgangssprachlich als AID`s-Erkrankung ausgesprochen werden. Wie z.B. die IBD (inclusion body disease) bei Schlangen, dass so genannte Schlangen-Aids, oder die EIA (equine infektiöse Anämie) bei Pferden, auch gerne als Pferde-Aids betitelt, usw.
Doch im Unterschied das die Aids-Erkrankung vom Affen auf den Mensch übertragen werden kann, geht das bei unseren Katzen nicht.
Dies ist immer die größte Angst bei der Diagnose „FIV“, eine Übertragung auf den Menschen ist nicht möglich.
Es handelt sich um Retroviren, die diese Erkrankung auslösen. Auch beim Menschen sind es Retroviren. Die Viren der Katze haben sich allerdings auf Katzen „spezialisiert“, wir sind schlichtweg falsche Endwirte und haben unsere eigenen HI-Retroviren die sich uns wiederum perfekt angepasst haben.
Die Übertragungsmöglichkeiten des FI-Virus entstehen vor allem durch Beißereien. Besonders durch Rangkämpfe und dadurch entstehende, tiefe Bisse wird das Virus übertragen. Es muss der Speichel von einer erkrankten, und gerade im hohen Virusdruck stehenden Katze in den Blutkreislauf einer anderen Katze dringen. Ansonsten findet keine Ansteckung statt bei einer Beißerei! Dies bedeutet, das auch der Biß einer erkrankten Katze nicht zwingend zur Ansteckung führt!
Ein anderer Übertragungsweg ist der Geschlechtsverkehr. Hier kommt es mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einer Ansteckung.
Beides lässt sich durch eine Kastration beeinflussen. Geschlechtsverkehr fällt weg, Rangkämpfe kommen leider trotzdem noch vor, werden aber im Vergleich zu einer/einem unkastrierten Katze/Kater deutlich weniger.
Eine große Ansteckungsquelle sind die verwilderten Hauskatzen. Sie leben überall unter uns, wissen genau wie man sich unsichtbar macht wenn man möchte, und wenn sie Glück haben werden sie auf Futterstellen versorgt und kastriert. Hier hilft nur die konsequente Kastration aller freilebenden und Freigänger-Katzen, damit dieses Elend der armen Katzen eingedämmt wird und auch diese Tiere FIV-frei leben können und keine weiteren Katzen anstecken können.
Wenn Sie also eine freilebende Katze sichten, die keinem Menschen zuzuordnen ist, melden Sie es bitte einem örtlichen Tierschutzverein!
 Früher, und leider auch heute noch, werden viele Katzen bei der Diagnosestellung euthanasiert. Das ist unnötig und schrecklich zugleich.
Stellen Sie sich vor, Sie würden z.B. nach einer Bluttransfusion mit HIV angesteckt und gehen zum Arzt. Der diagnostiziert die Erkrankung und sagt Ihnen dann: „tja, tut mir leid, aber aufgrund der Ansteckungsgefahr für die Mitmenschen müssen wir Sie leider heute euthanasieren.“
Wären Sie damit einverstanden und würden einwilligen? Nein, bestimmt nicht. Sie könnten aber auch gar nicht einwilligen, davon mal abgesehen…
Aids ist eine lebenslange Erkrankung. Aids ist potenziell ansteckend. Ja.
Aber es gibt viele Möglichkeiten und Verhaltensweisen, die die Erkrankung im Zaum halten und das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum bis vollkommen runter zu schrauben.
Meistens trifft es Freigänger. Wer mehr Freiheiten genießt, hat auch ein gefährlicheres Leben.
Wurde die Diagnose gestellt und man hat einen Freigänger, heißt das jetzt nicht unbedingt das er in Zukunft in Einzelhaft in der Wohnung leben muss. Die Meinungen gehen hier stark auseinander. Gegen den künftigen Freigang spricht, dass das eigene Tier eine potentielle Ansteckungsgefahr für andere Katzen ist, und auch, dass die erkrankte Katze draußen einem viel höheren Infektionsdruck und damit einer Ansteckungsgefahr für Infekte ausgesetzt ist. Und die sind für FIV-Katzen deutlich gefährlicher als für Katzen mit funktionierendem Immunsystem.
Was dafür spricht den Freigang weiterhin zu gewähren: Wer eine friedliche Katze oder einen friedlichen Kater hat (natürlich kastriert) der jedem Streit aus dem Weg geht und deshalb keine Übertragungsgefahr durch Bisse für andere darstellt, sollte sich Gedanken machen den Freigang beizubehalten. Denn jeder Freigänger der daran gewöhnt ist, wird nicht bejubeln das ab sofort Knast angesagt ist. Es schafft zusätzlichen Stress, der sich wiederum auf das Immunsystem auswirkt.
Abgesehen davon haben viele Katzen unbemerkt diesen Virus in sich, ohne das jemals darauf getestet wurde, und so keine Diagnose gestellt wurde. Auch sie leben ihr Leben wie gewohnt weiter, mit Unwissenheit der Halter. Dies soll keine Ausrede sein um ein erkranktes Tier im Freigang zu lassen. Jeder muss das für sich, sein Gewissen und seine ihm anvertraute Katze entscheiden.
Ein Kompromiss kann auch sein, seinen Garten katzensicher zu machen, so kann ein halbwegs freies Leben ermöglicht werden.
Doch auch bei Wohnungskatzen kann die Diagnose plötzlich Realität werden. Zum Beispiel bei „Second-hand“ Katzen, deren Vorgeschichte unbekannt ist, kann die Erkrankung lange unbemerkt bleiben und eines Tages durch Zufall entdeckt werden. Sei es eine Wunde die schlecht verheilt, eine Infektion die nicht abebbt, oder sonstige Anfälligkeiten.
Hinter vielen wiederkehrenden oder lang anhaltenden Infekten kann eine tiefgehende Grunderkrankung stecken. Um hier Gewissheit zu haben, empfiehlt es sich, einen FIV-Test machen zu lassen. Und das nicht einmal, sondern lieber mit einem 4-8 wöchigen Abstand zweimal.
FIV kann (aber muss nicht!) auch von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Dazu braucht es keinen Biß oder Geschlechtsverkehr, hatte die Mutter das Virus in sich, und man übernimmt das Kätzchen (in Unwissenheit der erkrankten Mutter) von klein auf, kann auch das Kätzchen an dem Virus erkrankt sein.
Hat sich nun herausgestellt dass man eine an FIV-erkrankte Wohnungskatze hat, muss man nicht die mitlebenden Katzen plötzlich abgeben (oder sogar die erkrankte), auch wenn diese als negativ (nicht-erkrankt) getestet wurden. Leben die Katzen schon länger zusammen, sind kastriert und die Rangfolge ist geklärt, sodass sie friedlich miteinander leben, besteht kein Grund in Panik zu verfallen und das erkrankte Tier abzugeben oder einschläfern zu lassen. Viele FIV-Katzen leben mit nicht infizierten Katzen jahrelang zusammen, ohne das es zu einer Ansteckung kommt.
Hat man eine Einzelkatze und wollte eigentlich mehr Katzen halten, so kann man eine gute Tat tun und gezielt nach FIV-Katzen im Tierschutz Ausschau halten. Die gibt es da leider zuhauf. Aus unbegründeten Ängsten abgegeben oder nicht mehr gewollt weil krank. Gründe gibt es da endlos.
Man bildet dann einfach eine Zweckgemeinschaft 😉

Die Symptome
FIV hat keine spezifischen Symptome. Und keine Katze stirbt an FIV. Nur an den Folgeerkrankungen.
Es ist eine Krankheit mit Hoch`s und Tief`s. Das Immunsystem ist nicht am Tag der Ansteckung mit einem Schlag ausgeschaltet. Oft sinkt es erst über Jahre hinweg in den Keller. Und auch hier kann es auf und ab`s geben. Viele Katzen leben unerkannt (oder auch erkannt) mit dem Virus und werden trotzdem steinalt ohne schlimme Folgeerkrankungen. Alles was das Immunsystem zusätzlich stresst, sollte deshalb möglichst vermieden werden. Stress ist hier ein großer Punkt, oder ein hoher Infektionsdruck, also viele Bakterien und/ oder Viren in der Umgebung, aber auch Impfungen oder Immunstimulantien können das fragile Gleichgewicht zum kippen bringen.
Erkrankt eine FIV-Katze an einer Zweitinfektion wie zum Beispiel dem Katzenschnupfen, gilt es, ihr hier die gleiche Behandlung zukommen zu lassen wie einer nicht-FIV-Katze. Man kann damit rechnen, dass der Genesungsweg länger dauert, dies bedeutet jedoch nicht, dass das geliebte Tier an der erstbesten vorbeikommenden Zweitinfektion stirbt.
Das Virus fährt das Immunsystem runter, oft in Schüben, es sorgt dafür, dass der Körper keine Immunreaktion mehr auf Krankheitserreger bilden kann.
Trotzdem gibt es ein paar typische Symptome, die auf eine FIV-Erkrankung hindeuten können. Das können nicht oder schlecht verheilende Wunden sein, nicht endende Infekte, immer wiederkehrende Infekte, wie vom Katzenschnupfenkomplex oder auch Blasenentzündungen, Zahnfleischentzündungen kommen sehr häufig vor, oder Infekte, die trotz aller Behandlungsmaßnahmen zunehmend schlechter werden. Denn keine Medizin hilft, wenn das Immunsystem nicht mitmacht. Allgemeine Mattigkeit kann ein Symptom sein, aufgequollene Ballen an den Pfoten, die aussehen wie ausgeleierte, trockene Schwämme, starke Abmagerung, die ganze Bandbreite steht da zur Verfügung.
Eine an FIV-erkrankte Katze kann ihr Leben auch wie gesunde Katzen ganz normal leben.
Es ist kein vorzeitiges Todesurteil, wichtig ist, das abbauende Immunsystem nicht durch Cortison oder andere Immunsupprimierende (Immun-unterdrückende), Immunbelastende Medikamente, oder unnötigen Stress zusätzlich zu schädigen.
Die Viruslast, und damit das Fortschreiten der Krankheit, sollte gering gehalten werden, was mit verschiedenen Mitteln auf Naturheilbasis sehr gut zu erreichen ist.
FIV ist eine ernste Erkrankung, aber sie kann in den allermeisten Fällen sehr gut im Zaum gehalten werden und führt nicht zwingend zum vorzeitigen Tod.
Sprechen sie hierzu gerne mich, oder eine meiner vielen tollen Kolleginnen und Kollegen an!