Herzlich willkommen bei den Vierpfotenprofis

Eine neue Katze kommt ins Haus und der Frieden ist dahin? Ihre Samtpfote hält das Sofa für die Toilette? Ich erarbeite mit Ihnen ein Konzept zur Lösung des Problems, etwa bei Unsauberkeit, Markieren, Zerstörungswut, Aggression gegen andere Tiere oder Menschen. Rufen Sie mich an, ich helfe Ihnen gerne. Beratung, die länger dauert als zehn Minuten, ist kostenpflichtig. Preise und Leistungen sehen Sie auf der Seite rechts.

30.4.08

Therapie von Problemhunden - ein einträgliches Geschäft?

Kritik der Sendung SAT 1-Magazin - 24 Stunden "Beißen, kläffen, Ungehorsam. Mein Hund braucht Therapie"Die 29.04.08 - 23:15 Uhr

Zuschauerbrief an die Redaktion:

Liebe Redaktion!

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für die Ausstrahlung der Reportage bedanken. Nur selten bekommt man als fachlich Informierter Einblick in die Methoden gewisser Hundetrainer. So bald diese merken, dass man etwas von Biologie, Ethologie und Tierpsychologie versteht, blocken sie ab, machen die Schotten dicht und sind zu keiner Diskussion bereit.
Nur als "verdeckter Ermittler", als angeblicher Kunde hätte man eine Chance, sich die seltsamen Praktiken dieser Leute anzuschauen. Deshalb war die gestrige Sendung für mich sehr aufschlussreich. Leider habe ich sie nicht aufgezeichnet und muss nun aus meiner Erinnerung schöpfen.
Ich fand die Darstellung im Ganzen sehr unkritisch, und hätte mir deutlichere Hinweise auf die Fragwürdigkeit der Methoden gewünscht. So eine Werbung für Hundewelten ist doch ziemlich plump, leider aber für viele hilflose und verzweifelte Hundebesitzer möglicherweise ein Anstoß, sich an diese Trainer zu wenden.Da Ihnen offensichtlich die Schwachpunkte im System und in der "Therapie" entgangen sind, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen.

1. Man nehme ein störendes, anstrengendes Hundeverhalten und stilisiere es zu einem Problem:

Die vorgeführten Hunde waren alle nicht aggressiv, sondern jung, pubertär, unerzogen, mehr nicht. Sie zeigen ein ganz normales Verhalten. Die Besitzer waren unerfahren in der Hundehaltung und Erziehung und deshalb leichtgläubig und beeinflussbar.

2. Man stelle sich selbst als cooler, furchtloser Hundeversteher dar:

Der böse, aggressive Hund wurde lammfromm, als er der mutigen Therapeutin zum ersten Mal begegnete. Natürlich konnte es nicht anders sein, weil ein normaler Hund eben niemanden beißen wird, der vor ihm hockt und nach Fleischwurst riecht und diese auch noch großzügig verteilt. Eine menschliche Fleischwurst ist das Objekt der Anbetung für jeden Hund.

3. Man nehme Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten und baue daraus eine Methode:

Hunde sind Raubtiere - stimmt. Aber die korrekte Bezeichnung lautet Beutegreifer. Hunde sind nur triebgesteuert - so einfach ist das nicht. Die Kombination von ererbtem und erworbenem Verhalten macht den Hund aus. Wenn der Hund nur triebgesteuert wäre, könnte er nichts Neues lernen. Hunde haben keine Gefühle - falsch. Alle hochentwickelten Säugetiere empfinden die großen Gefühle von Angst, Freude, Wut, Zuneigung, Trauer, das ist wissenschaftlich bewiesen!H unde sind Egoisten - stimmt. Hunde verhalten sich so, dass sie einen Vorteil davon haben.

4. Man gebe dem Hundehalter die Schuld an dem störenden Hundeverhalten und auch die Schuld an einem Scheitern der Therapie:

"Der Mensch ist zu schwach, um die Führung zu übernehmen, deshalb tut es der Hund." Stimmt zwar in vielen Fällen, wird aber von den Therapeuten als universale Erklärung in allen Fällen vorgebracht. "Sie sind verantwortlich, Sie halten sich nicht an die Anordnungen, Sie üben nicht genug, Sie sind zu lasch, etc."
Gute Therapeuten verlangen von den Hundebesitzern nur so viel, wie diese in der Lage sind zu leisten und was diese mit ihrem Innersten vereinbaren können. "Wenn Sie die Therapie abbrechen, wird Ihr Hund Sie irgendwann beißen"....Leere Drohung um die Leute bei der Stange zu halten!

5. Man nehme ein paar einfach zu erlernende Erziehungstricks und verkaufe sie als völlig neue Methode:

"Wir arbeiten ohne Hilfsmittel ! "
Tatsächlich ist die menschliche Stimme zur Erziehung des Hundes nicht unbedingt erforderlich. Körpersprache ist wirklich viel wichtiger, aber der der Einsatz von Futterbelohnung ist ein eindeutiges Hilfsmittel, welches von den Therapeutinnen in allen Situationen immer und ausschließlich großzügig eingesetzt wurde.Wie ich oben schon anmerkte, kann kein Hund sich der Verlockung von Fleischwurst entziehen. Er wird wirklich alles für diesen "Jackpot" tun, und nach einem Therapietag wahrscheinlich Magen-Darm-Probleme von der Menge der ungesunden Leckerei haben.

"Unsere Methode ist völlig neu!"
Falsch! Falsch! Falsch! Klassische Konditionierung ist ein alter, aber bewährter Hut!
Diese Konditionierung mit Futter ist aber wohl die einzige Methode, die die Therapeutinnen anwenden.

Schlussbemerkung:
Konrad Lorenz würde sich im Grabe umdrehen!
Mit freundlichem Gruß
Marita Römer
Tierpsychologin (ATN)Vierpfotenprofis